Da einige von euch gerne mehr über mein Leben hier erfahren wollen, ich aber nicht weiss, was ihr hören wollt, schreibe ich jetzt mal einen typischen Tagesablauf auf, weil danach spezifisch gefragt wurde. Gerne könnt ihr mir direkte „Blogeintragwünsche“ zukommen lassen.
Nach einer meist unruhigen Nacht, gestört durch die immer zahlreicher werdende Geckofamilie (diese Tiere machen wirklich viel krach!!!) und das Aufstehen um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, sollte ich eigentlich gegen sieben Uhr burkinischer Zeit durch meinen Wecker aufwachen. Meistens bin ich aber schon wach, gestört durch Hähne, Esel, andere Tiere oder meine Kollegen, die es sich ab und zu nicht nehmen lassen, morgens um 5h30 das im „Wohnzimmer“, zumeist vor meiner Tür abgestellte Motorrad zu starten, um für irgendetwas ins „Zentrum“ zu fahren. Meistens profitiere ich dann von 6h00 bis 6h30 vom Morgenprogramm der Deutschen Welle (auf deutsch) und danach von „Afrique matin“ auf RFI, in der sogar Burkina Faso sehr oft erwähnt wird und deren Nachrichten mich über das Geschehen in Afrika auf dem Laufenden halten.
Um sieben Uhr esse ich dann, entweder alleine in meinem Zimmer, dann geniesse ich das im Marina Market für viel Geld eingekaufte Müsli oder esse ein Baguette mit Käse („La vache qui rit“ ist der einzige, den man hier kaufen kann und der nicht im Kühlschrank gelagert werden muss). Wenn einer meiner Mitbewohner (derzeit sind wir insgesamt fünf Personen) etwas zubereitet, beteilige ich mich an den Ausgaben und esse dann entweder Reis mit Sauce (Riz sauce), Nudeln mit Sauce (Pâte avec sauce) oder Reste vom Vorabend.
Oft gehe ich aber direkt duschen. Das bedeutet: Im Schlafanzug zum Brunnen (aber es sieht ja keiner, weil keiner da ist und der Brunnen auf unserem Grundstück liegt) und dort eineinhalb Eimer hochhiefen, um den Duscheimer zu befüllen. Dann vollgeladen zurück ins Haus und den Eimer in die mit einem Vorhang abgetrennte Duschecke stellen, Kleidung aus dem Zimmer holen und ab unter die Dusche. Erste Ladung Wasser, dann Einseifen, zweite Ladung Wasser und fertig! Ausserdem profitiere ich von der relativen Kühle am Morgen und rasiere mich, da ich nur einen Trockenrasierer mitgenommen habe, der bei Schweissproduktion aber eigentlich nicht zu gebrauchen ist (Tipp für angehende Reisende in heisse Länder!) und ich es deshalb morgens machen muss. Doch auch dann ist es ost schon sehr warm und deshalb mühsam…
Danach stelle ich mich in den Garten und putze Zähne im kühlen Morgenwind, eine der angenehmsten Momente des Tages.
Danach räume ich mein Zimmer auf, fege, hole eventuell neues Wasser für den Filter und fülle mir meine Morgenration Wasser fürs Radio ab, dort gibt es nämlich keinen Filter. Wenn ich dann noch Zeit habe, lese ich etwas, manchmal gehe ich einkaufen oder erledige andere Dinge. Morgens ist es am angenehmsten! Ach, und natürlich: Der Gang zur Latrine, um den Kakerlaken guten Morgen zu sagen…
Wenn wieder Waschtag ist, steht auch sehr bald meine sehr freundliche Waschdame vor der Tür, die ich willkommenheisse und ihr dann das Waschpulver, die Eimer und meine Wäsche gebe.
Dann geht’s gegen 8h30 auf zum Radio, entweder mit einem Kollegen auf dem Motorrad oder zu Fuss. Wenn wir vorher alle noch nichts gegessen haben, machen wir kurz Halt und essen ein Baguette und trinken dazu einen Milchkaffee (kein Echter. Hier wird Kaffee mit konzentrierter, gesüsster, dickflüssiger Milch vermengt. Das schmeckt aber super lecker, vor allem mit dem frischen Baguette!).
Auf dem Weg kann ich dann immer meine Mooré-Begrüssungskenntnisse zeigen, da man eigentlich jeden grüssen muss, vor allem, weil uns alle kennen, mich sowieso.
Beim Radio angekommen setze ich mich ans Schaltpult, lüfte durch und warte darauf, dass jemand den Generator startet. Wenn dies geschehen ist, starte ich die Apparate und starte die Musik.
Wenn ich keine anderen Termine habe, sitze ich jetzt vier Stunden hier und schreibe meine Mails und Blogeinträge vor, arbeite an meinen Dreimonatsberichten oder anderen privaten Angelegenheiten. Wenn es etwas zu tun gibt, versuche ich es, zwischen meine privaten Angelegenheiten zu quetschen
Wenn ich einen auswärtigen Termin habe, nehme ich diesen natürlich auch war…
Im Laufe des vormittags kommen auch immer zahlreiche Menschen vorbei, mit denen ich dann rede, die uns zu Essen vorbeibringen oder Dienstleistungen (Batterie oder Handy laden, Werbung anmelden oder ein Communiqué aufgeben, das später gesendet wird) verlangen.
Die Sekretärin der Organisation, die das Radio führt, bringt uns oft Tô mit sauce gombo (das Nationalgericht), der dann mit den Händen gegessen wird. Die Sauce schmecht übrigens nicht so gut (das liegt am Hauptbestandteil: Gombo) und der Tô selbst, eine zähe Masse aus Mais- oder Hirsemehl wird auch nie zu meinen Lieblingsspeisen gehören. Aber es füllt seinen zweck und macht schnell satt.
Wenn eine Versammlung des Clubs der treuen Hörerinnen und Hörer angesetzt ist, beginnt diese auch immer um neun Uhr. An dieser nehme ich dann auch teil, begrüsse den Präsidenten und die Mitglieder und versuche mich so gut wie möglich einzubringen. Die Versammlung findet immer auf Mooré statt, und nur einige Teile werden dann für mich auf Französisch übersetzt, denn oft geht es sehr lebhaft zu, dass der „Übersetzer“ gar nicht nachkommt…
Dann fieber ich auf die 13h00 zu und wir schliessen das Radio.
Wenn ich weiss, dass im Haus jemand Essen zubereitet hat (ich habe demjenigen dann morgens Geld für die Zutaten gegeben) oder ich keinen Hunger mehr habe, weil ich vorher zu viel gegessen habe, dann gehen wi direkt nach Hause, durch die brennende Mittagssonne. Mir wurde auch schon gesagt, dass wir in der heissen Zeit, also im April/Mai, nicht nach Hause gehen können, weil die Sonne zu stark ist… Da werde ich dann drei 1,5-Liter-Flaschen mitnehmen müssen.
Zuhause komme ich dann immer vollkommen verschwitzt an, ziehe mich um und hänge meine Kleider auf. Wenn die Wäschedame morgens da war, hänge ich die Wäsche ab, falte sie und ordne sie in den Schrank ein. Sollten trotz der brütenden Hitze noch feuchte Kleidungsstücke an der Leine hängen, versuche ich es später wieder.
Dann ist das Essen fertig und es gibt Riz sauce (mit verschiedensten Saucen: Erdnuss-, Tomaten-, Gemüse-, Gombo- oder Fischsauce) oder Riz gras (Reis, der schon in einer Gemüsesauce gekocht wurde, und deshalb keine Sauce mehr da ist). Manchmal gibt es gekochten Ignam (sehr lecker), Nudeln mit Sauce oder Benga (Bohnen).
Wenn zuhause nichts zubereitet ist, gehen wir durchs Zentrum und essen dort Riz sauce (mit Fleisch- oder Erdnusssauce) oder ich kaufe mir Beignets (Bohnenmehlkrapfen), die mit Piment (scharfe Paprika denke ich) gegessen werden. Wenn wir das machen, gönne ich mir auch immer eine kalte Cola! Danach gehe ich auf jeden Fall ins Haus, während meine Kollegen meistens im Zentrum bleiben.
Im Haus erledige ich dann wieder irgendwelche Dinge, fülle eventuell den Wasserfilte auf, schreibe Briefe, höre mindestens noch ein Mal Radio France International (RFI) etc.
Oft lese ich auch oder lege mich etwas hin.
Bevor ich mich gegen 15h30 wieder auf den Rückweg mache, das gleiche Spiel zum Duschen wie am Morgen. Nur das Einseifen entfällt, da diese Dusche nur der Abkühlung dient. Auf dem Weg in mein Zimmer, wo ich meinen Rucksack hole und die dritte oder vierte Flasche Wasser des Tages befülle, werden meine in der Zwischenzeit getrockneten Kleider oder die frisch angezogenen Kleider wieder durchnässt und die Wirkung der Dusche lässt nach.
Dann ab zum Radio, die Sonne ist nicht mehr ganz so stark, aber die Luft steht jetzt!
Beim Radio, das gleiche Spiel wie morgens, nur, dass ich mich, auch wenn ich keine auswärtigen Termine habe, meistens mehr vom Mischpult entferne, da mein Praktikum ja eigentlich keine Technikpraktikum, sondern ein journalistisches Praktikum ist.
Oft schneide ich jetzt die geführten Interviews zusammen, füge Musik hinzu, nehme neue Dinge auf oder bereite andere Sendungen vor.
Gegen 18h00 wird es dan dunkel und ich schmiere mich sofort mit Insektenschutzmittel ein, da die ganzen Lichter hier beim Radio die Insekten nur so anziehen. Die letzten zwei Stunden finde ich auch immer am unangenehmsten, denn das Radio verfügt über keine Mückennetze vor den Fenstern. Wenn es eine LIvesendung gibt, bin ich dann aber manchmal trotzdem am Mischpult und erleide die Tortur. Ein „freier Mitarbeiter“, der wöchentlich eine Retro-Musik-Sendung macht, hat mich auch zu seinem „Lieblingstechniker“ erkoren und mit ihm macht das auch immer Spass.
Um 20h00 verabschiede ich mich dann von mehr oder weniger vielen Leuten, je nachdem, wie viele gerade im Hof sitzen, und mache mich mit Taschenlampe auf den Heimweg. Scheint der Mond stark, brauche ich sie nicht, wenn es aber geregnet hat, sind einfach zu viele Kröten unterwegs und das Geräusch einer unterm Fuss platznden Kröte ist nicht gerade angenehm und ruft enorme Schuldgefühle hervor, da diese Tiere ja wenigstens noch nützlich sind.
Entweder nehme ich den etwas längeren Weg durchs Zentrum und benutze dann den „Goudron“ (die asphaltierte Durchgangsstrasse) oder den kürzeren Weg durch die Felder, den ich mich anfangs nicht alleine getraut habe. Mittlerweile kenne ich ihn aber…
Meine Kollegen baten mich aber, ihn bald nicht mehr zu benutzen und nur mit durchgehend eingeschalteter Taschenlampe nach Hause zu gehen, da in der Trockenzeit die Zahl der Schlangen und Skorpione rapide ansteigen soll.
Wenn ich Glück habe, werde ich auch von jemandem nach Hause gefahren, der gerade auch das Radio verlässt, sei es ein Besucher oder ein Kollege.
Zuhause dann wieder das gleiche Ritual wie heute morgen: Duschen (diesmal wieder inklusive Einseifen) und Zähneputzen, nur im Dunkeln und mit Taschenlampe, die dann immer Unmengen von Tieren anlockt. Sollten mittags Kleidungsstücke immer noch nicht trocken gewesen sein, hole ich diese jetzt auch noch rein.
Je nachdem wie meine Laune ist, höre ich noch einmal die Deutsche Welle und gehe dann gegen 21h30 schlafen und lege mich direkt hin, meistens mit Ohropax, die aber leider nachts meistens rausfallen.
Das ist also so mein typischer Tagesablauf. Meine freien Tage und die Tage in Ouagadougou sehen natürlich anders aus. Also, wer Anregungen für einen Blogeintrag hat, kann mir gerne einen Kommentar hinterlassen oder sich über andere Wege bei mir melden.